Zwischen den Welten: Aufgewachsen zwischen Millennials und Generation Z
- Anna Kuchelmeister

- 6. März
- 2 Min. Lesezeit
1997 geboren, stehe ich gefühlt zwischen zwei Generationen. Offiziell gehöre ich zur Gen Z – jener Generation, die oft als „faul“ oder „nicht belastbar“ abgestempelt wird. Doch wenn ich auf meinen eigenen Weg zurückblicke, erkenne ich mich in diesem Bild kaum wieder.
Mit 16 habe ich angefangen zu arbeiten. Neben der Schule, später neben Ausbildung und Weiterbildung. Nebenjobs gehörten zu meinem Alltag, ein Stück weit auch das Gefühl, mich durchbeißen zu müssen. Das hat mich geprägt – und es macht es mir schwer, mich in der oft zitierten Beschreibung meiner Generation wiederzufinden.
Trotzdem begegnet mir immer wieder dieselbe Verwunderung:
„Wie, du hast Zeit für Hobbys?“
„Wie, du kannst in den Urlaub fahren?“
Als wäre Freizeit ein Luxus, den man sich erst verdienen müsste. Dabei ist es doch genau das, was viele aus meiner Generation wollen: arbeiten, ja – aber nicht um jeden Preis. Nicht so, dass wir am Ende erschöpft zusammenbrechen. Wir wollen Jobs, die wir gut machen können, und gleichzeitig Raum für Familie, Freunde, für das eigene Leben lassen.
Das bedeutet nicht, dass uns Arbeit gleichgültig wäre. Im Gegenteil: Ich liebe meinen Beruf. Ich liebe es, Menschen zu begleiten und ihnen zu helfen. Aber ich habe auch verstanden, dass ich nur dann wirklich gut in meinem Job sein kann, wenn ich dabei nicht vergesse, auch gut zu mir selbst zu sein.
Ein Gedanke aus dem Buch Gen Z für Entscheider:innen von Yaël Meier und weiteren Autor:innen ist mir besonders im Kopf geblieben: Wir sind nicht faul. Wir setzen andere Prioritäten. Freiheit ist uns wichtiger als Gehalt, Lebensqualität mehr wert als ein Titel auf der Visitenkarte.
In manchen Berufen – wie etwa in der Physiotherapie – ist das leichter gesagt als getan. Flexible Arbeitszeiten oder Homeoffice bleiben dort oft Theorie. Wir arbeiten dann, wenn andere frei haben, wir geben unser Bestes, und doch bleibt die Gefahr, sich irgendwann zu überfordern.
Darum wünsche ich mir vor allem eines: weniger Urteile, mehr Zuhören. Nicht jeder will 40 Stunden die Woche arbeiten – und das ist in Ordnung. Wir brauchen Modelle, die Arbeit, Gesundheit und Leben in Einklang bringen. Nur so können wir langfristig leistungsfähig bleiben, ohne auf das zu verzichten, was uns wirklich wichtig ist.


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